„Erzählen Sie doch bitte etwas über sich“ oder „Stellen Sie sich uns kurz vor“: Fast jedes Vorstellungsgespräch beginnt so. Die Frage wirkt harmlos, und gerade deshalb wird sie oft zu knapp vorbereitet. Dabei prägen diese ersten Minuten den Ton für das gesamte Gespräch.
Was Ihr Gegenüber wirklich hören möchte
Ihre Bewerbungsunterlagen liegen in der Regel schon vor. Interessant ist deshalb vor allem Folgendes:
- der rote Faden Ihres Werdegangs: was Ihre Stationen miteinander verbindet;
- was Sie konkret getan haben, in Ihren eigenen Worten;
- warum diese Stelle und warum gerade jetzt;
- wie Sie sich ausdrücken: Klarheit, Sicherheit und die Fähigkeit, auf den Punkt zu kommen.
Ein Aufbau in drei Schritten
Heute
Wer Sie beruflich sind, in ein oder zwei Sätzen: Ihr Beruf oder Ausbildungsstand, Ihre Berufserfahrung, Ihr Schwerpunkt.
Gestern: zwei oder drei Stationen
Die für die Stelle nützlichsten Erfahrungen, jeweils mit einem konkreten Beleg: eine Aufgabe, ein Ergebnis, eine Verantwortung.
Morgen: warum diese Stelle
Was Sie hier reizt und was Sie einbringen möchten. Das ist der natürliche Übergang zum weiteren Gespräch.
Beispiele für unterschiedliche Situationen
Die folgenden Beispiele sind frei erfunden. Übernehmen Sie den Aufbau, nicht die Formulierungen.
Mit mehreren Jahren Berufserfahrung
Ich bin seit sechs Jahren Flugzeugmechanikerin und auf die A320-Familie spezialisiert. Angefangen habe ich in der Werft bei den planmäßigen Wartungsprüfungen. Später habe ich die Dokumentation der Freigaben übernommen, und im vergangenen Jahr habe ich zwei neue Kollegen eingearbeitet. An Ihrer Stelle reizt mich die Arbeit im Nachtschichtteam und die Verantwortung für die Dokumentation, denn genau diesen Teil meines Berufs möchte ich ausbauen.
Für Berufseinsteiger, Ausbildung oder duales Studium
Ich schließe gerade meine Ausbildung zur Kauffrau im Einzelhandel in einem Sportfachgeschäft ab. In drei Jahren habe ich die Textilabteilung mitbetreut, Bestellungen aufgegeben und bei der Inventur mitgearbeitet. Am meisten Freude hat mir die Kundenberatung und die Gestaltung von Aktionsflächen gemacht. Deshalb interessiert mich Ihre Stelle als stellvertretender Abteilungsleiter: Sie verbindet beides und bringt mehr Verantwortung mit.
Beim Quereinstieg
Acht Jahre lang habe ich als Buchhalter in einer Steuerkanzlei gearbeitet. Dabei habe ich gemerkt, dass mir die Beratung der Mandanten zu ihren Verwaltungsprogrammen am meisten liegt. Im vergangenen Jahr habe ich mich berufsbegleitend in der Webentwicklung weitergebildet und drei Projekte umgesetzt, darunter ein Tool zur Liquiditätsplanung für einen Verein. Als Entwickler für Verwaltungssoftware kann ich beide Kompetenzen zusammenbringen.
Fehler, die den Faden reißen lassen
Also, ich bin in Hannover geboren, habe 2012 mein Abitur gemacht, danach habe ich ein Studium angefangen, dann …
Ich bin seit fünf Jahren im Recruiting tätig und auf technische Profile für die Industrie spezialisiert.
- Den Lebenslauf chronologisch herunterbeten, ohne etwas auszuwählen.
- Zu lange sprechen: Wer deutlich über drei Minuten hinausgeht, verliert oft die Aufmerksamkeit.
- Vage bleiben: „Ich habe viele unterschiedliche Aufgaben gehabt.“
- Über frühere Arbeitgeber schlecht reden, auch wenn es berechtigt wäre.
- Einen Text auswendig lernen: Das hört man, und ein Aussetzer bringt schnell aus dem Konzept.
So bereiten Sie sich wirksam vor
- Die Stellenanzeige noch einmal lesen und die drei wichtigsten Anforderungen markieren.
- Zwei oder drei Stationen auswählen, die dazu passen, jeweils mit einem konkreten Beleg.
- Nur Stichpunkte notieren, keinen vollständigen Text.
- Sich aufnehmen oder jemandem vortragen und die Dauer anpassen.
- Eine Kurzfassung (30 Sekunden) und eine längere Fassung (zwei bis drei Minuten) vorbereiten.
Die Selbstvorstellung ist nur der Anfang und sollte zu Ihrem Anschreiben passen. Überlegen Sie sich auch, welche Fragen Sie am Ende selbst stellen möchten; unser Leitfaden Fragen an den Arbeitgeber bietet dazu eine Auswahl.
Zum Üben vor dem Termin finden Sie unsere Werkzeuge auf der Seite Vorstellungsgespräch vorbereiten. Die Interviewvorbereitung ist im Pass 30 Tage von ClairCV enthalten.